Werkschau/Retrospective Anja Dornieden & Juan David Gonzáles Monroy

Filmemacher im Portrait
Filmemacher im Portrait

Anja Dornieden und Juan David González Monroy sind Filmemacher aus Berlin. Seit 2010 arbeiten sie zusammen unter dem Namen OJOBOCA. Sie praktizieren Horrorism, eine simulierte Methode
der inneren und äußeren Verwandlung. Ihre Arbeiten wurden auf der ganzen Welt bei unterschiedlichen Veranstaltun- gen und Institutionen gezeigt. Derzeit sind sie Mitglieder bei dem von Künstlern geleiteten Film-Lab LaborBerlin.

Filmwinter-Palais – Saal Valie

Filmwinter-Palais

Konrad-Adenauer-Straße 2, 70173 Stuttgart

U-Bahn, Bus: Haltestelle Charlottenplatz

The Masked Monkeys

Deutschland 2015, S/W, 16 mm, 30:00 Min.

Die Maskenkunst Indonesiens gibt es seit tausenden von Jahren. Sie werden gemeinhin „wayang topeng“ genannt (wayang: Schatten oder Puppe; topeng: Maske) und man glaubt, dass wayang topeng aus den Totenritualen der Stämme hervorging, in denen maskierte Tänzer den Willen der Götter interpretierten. In den untersten Schichten der javanischen Gesellschaft finden sich einzigartige Manifestationen dieser Maskentraditionen wieder. Die Darsteller sind aber keines- falls bloße Entertainer, ihr Ziel ist es nicht allein zu amüsieren. Sie möchten respek- tiert und geehrt werden, erfolgreich sein. Sie haben sich auf einen Pfad begeben, von dem sie wissen, dass er sie auf höhere Ebenen bringen wird: in eine ehrbare und noble Position.

Heliopolis Heliopolis

Deutschland 2017, Farbe, 16 mm, 26:00 Min.

Heliopolis Heliopolis war der Name eines Stadt-Simulacrums, das im dritten Jahrhundert vor Christus in der stadtplanerischen Ausbildung an der NoUn Hochschule für Architektur in Ägypten eingesetzt wurde. Mit dem Lehrsystem wurden Studenten in der Planung einer revolutionären Stadt unterrichtet, die die altertümliche Stadt Heliopolis weit übertreffen sollte. Das Modell basierte ausschließlich auf Texten und weitergegebenem Wissen. Heliopolis Heliopolis ist eine filmische Interpretation des Simulacrums und des hypnotischen, Trance-hervorrufenden Rituals, das
mit dessen Benutzung einherging.

The Hot & The Cold

Deutschland 2018, Doppelprojektion, 16 mm, 30:00 Min., Uraufführung

Im Jahr 1816 erfand Professor I.B.D. Naheseer die erste und einzige Wasserbär- Phantasmagorie. Von Étienne-Gaspard Roberts Phantasmagorien inspiriert ersann er eine Show mit magischen Laternen und dem „Wasserbär“ oder „Bärtierchen“ im Mittelpunkt, ein nahezu mikroskopisch kleines Tier, das selbst unter extremen Bedingungen überlebensfähig ist.
Naheseer plante die Show als Liebesgeschichte zwischen ihm selbst und einem bestimmten Wasserbär, den er „Wasserbärchen“ nannte. Die Geschichte die er im Sinn hatte, war folgende: Während er durch sein Mikroskop Pflanzenproben untersucht, findet Naheseer Wasserbärchen. Er ist gefesselt von Wasserbärchen und je länger er durch sein Mikroskop sieht, desto mehr wird ihm klar, dass Wasserbärchen weiß, dass es beobachtet wird. Er kann sehen, dass Wasserbärchen jedes Mal zu tanzen anfängt, wenn die Linse über ihm ist. Diese Flirtereien zeigen Naheseer, dass es Wasserbärchen gefällt, beobachtet zu werden. Er entschließt sich, die Kraft der Wissenschaft einzusetzen um Wasserbärchen zu vergrößern, sodass sie zusammen sein können.
Mit Hilfe eines speziellen optischen Geräts will er die Illusion erzeugen, dass Wasserbärchen aus einer Nebelwolke in menschlicher Größe heraustritt. Am Ende der Show sollen Naheseer und Wasserbärchen miteinander tanzend über dem Publikum schweben.
Doch die Show schaffte es nie auf die Bühne. Es scheint, dass die technische und ästhetische Größe von Naheseers Vision weit über den Mitteln lag, die er zur Verfügung hatte. Diese Tatsache schmälerte seine Entschlossenheit jedoch kaum und nach zahlreichen Fehlschlägen bei der Erfindung der benötigten Maschinen wurde ihm klar, dass er seine Muse um Hilfe bitten musste. Also schrieb er ein Lied für Wasserbärchen. Dreißig Jahre lang versuchte er, ein Lied zu schreiben, das zu Wasserbärchen sprach, und zwar so, dass es ihm die
Befugnisse gewährte, die er zur Verwirklichung seines Traumes brauchte. Doch am Ende wurde er aufgrund seiner unerbittlichen Obsession in eine Anstalt eingeliefert. Das Lied hat er nie vollendet.
Als wir von dieser Geschichte erfahren haben, inspirierte sie uns, eine traumatoskopische Antwort an Naheseer zu ersinnen.